Liebe Kolleginnen und Kollegen,

7 Jahre Gemeinderat sind eine lange Zeit.  Auch wenn meine 2.te Etappe ursprünglich über  5 Jahre gehen sollte, so hat sich die Belastung meiner angeschlagenen Gesundheit wegen extrem schwankender Blutzuckerwerte nicht länger  mit der  hohen zeitlichen und inhaltlichen Belastung des  Amts  vertragen.

Aber auch die hohe physische und emotionale Belastung durch gravierende Entscheidungen wie derzeit die Schließung der Sekundarstufe 1 an der Schule in Münchingen gingen nicht spurlos an mir vorüber – und das 250 Jahre nach der Schul-und Internatsgründung des Pädagogen  und Pfarrers Johann Friedrich Flattich – vor 250 Jahren, genau hier an der Stelle vom Widdumhof in Münchingen .

Ja liebe K/innen und K/n,  Stadtrat zu sein ist kein Zuckerschlecken, das wisst ihr alle. Mit meiner oft ganz anderen Sichtweise und meinen Anträgen habe ich es euch auch nicht leicht gemacht. Dafür bitte ich aber nicht bei euch um Entschuldigung sondern bei euren Partnern, wenn ihr wegen „meiner Fragerei“ öfters spät nach Hause gekommen seid.  Inzwischen kommt ihr dank der neuen Sitzungsordnung (23 Uhr) zwar früher nach Hause- dafür aber doppelt so oft 😉

Erlaubt mir aber auch ein paar offene Worte und Gedanken zu meinem Abschied.

Wir haben in den 7 Jahren viel erreicht –und viele  10 Mio. Euro bewegt.

Angefangen habe ich 2009. Nachdem die Börsen geplatzt sind, waren auch die finanziellen Aussichten der Stadt  dunkel.  Beim Richtfest der Realschul- Mensa  sagten  Sie  Herr Bürgermeister Dr.  Wolf  damals, dass dies wohl das letzte große öffentliche Bauprojekt in unserer Stadt sein würde.

Inzwischen wissen wir, dass dies eher der Startschuss  für viele, teils kostspielige  Baumaßnahmen in unserer Stadt war.

3-4 Jahre später, nach Saalplatz und Gymnasiums-Beschluss wollten wir uns eigentlich der Entwicklung des Stadtteils Münchingen zuwenden – Einkaufszentrum in Münchingen, Mehrgenerationenhäuser in beiden Stadtteilen – auch am Spitalhof, so stand es damals zumindest in den Haushaltsreden.

Liebe K und Ks , das haben wir leider nicht getan, sondern es wurden andere , sicher ebenfalls wichtige Projekte  angegangen, welche uns –und die Verwaltung- voll in Beschlag nahmen.

 

 

Aber ein Gemeinwesen wächst  eben nur dann gut in sich zusammen, wenn sich alle Glieder und Komponenten gleichmäßig entwickeln können und gepflegt werden. Ansonsten wird der Körper  krumm und humpelt (vielleicht sogar am Bindestrich).

Liebe K und Ks, Europa macht deutlich was passiert, wenn man  zu schnell und unachtsam vorgeht.

Dort hat sich ganz offensichtlich ein Europa der 2 Geschwindigkeiten  entwickelt.  Diskussionen über Nord und Süd-Euro, über  Grexit oder Brexit.  Die Einheit wackelt, die öffentliche Meinung spaltet sich und die Unterschiede in den Ländern werden stärker betont als die Gemeinsamkeiten.

Und so, liebe K und Ks begleitet mich schon längere Zeit das Gefühl–und verstärkt sich Jahr für Jahr  mehr, dass auch wir eine Stadt der 2 Geschwindigkeiten geworden sind. Das ist nicht gut.

Am Erscheinungsbild von Münchingen und dem Kallenberg hat es in den letzten 7 Jahren kaum eine sichtbare Entwicklung gegeben, obwohl  in diesen Stadtteilen der größte Teil der Gewerbesteuern erwirtschaftet wird, und genau diese Mitbürger den Lärm und den Verkehr ertragen müssen, von welchen alle finanziell profitieren. Dahinter verbirgt sich auch die Frage nach der Gerechtigkeit, welche in unserer Gesellschaft inzwischen (Gott sei Dank)-wieder einen höheren Stellenwert hat.

Es  würde mich freuen, liebe K und Ks, wenn ich bald in der Zeitung lesen könnte, wie ihr den verschobenen  Körper unserer Kommune wieder ins Gleichgewicht gebracht habt und die Entwicklung in den Stadtteilen so anpasst, dass sich der Gesamtkörper und die Infrastruktur unserer Kommune wieder organisch und gleich stark für den Bedarf aller Bürger in unserer Stadt entwickelt.

Der prognostizierte Einwohnerzuwachs in Münchingen und Kallenberg  durch die neuen Baugebiete wird ohnehin ein Übriges verlangen.

Dafür wünsche ich euch allen viel Erfolg – vor allem aber auch die notwendigen finanziellen Mittel, auch wenn diese derzeit leider nicht zu sehen sind.

Der häufige und gute persönliche Kontakt  –im Besonderen  zu manchen von euch – wird mir sicher fehlen, aber  – wie die jungen Türken sagen:

„Ich weiß wo dein Haus wohnt “, …man wird sich also finden.

In diesem Sinne „Auf Wiedersehen“, vielen Dank und Alles Gute.


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