Artikel aus der Strohgäu Extra vom 02.07.2011 Von Daniel Völpel

Korntal-Münchingen Erst vertagt, nun abgespeckt: die Einrichtung im Kallenberg kommt. Aber andere Wünsche wachsen.

Viel Ärger hatte es im Vorfeld um das Verfahren gegeben, aber allgemeine Freude herrscht nun über das erzielte Ergebnis: Nachdem der Gemeinderat auf Antrag der Freien Wähler und gegen den ausdrücklichen Willen des Bürgermeisters, der SPD und der Grünen im April den Baubeschluss einer Kinderkrippe im Kallenberg vertagt hatte, kann der Neubau nun begonnen werden. Das hat das Gremium am Dienstagabend beschlossen.

Um die Vertagung hatte es innerhalb des Gremiums großen Unmut gegeben, weil die FW-Fraktion die Notwendigkeit der Einrichtung infrage stellte. Der Streit von damals kochte auch in dieser Woche noch einmal hoch, als Egon Beck (SPD) und der Bürgermeister Joachim Wolf den Freien Wählern genau dieses vorhielten.

Freude vor allem bei den damaligen Befürwortern der Vertagung herrschte dagegen über das nun veränderte Bauwerk. Der zurückgestellte Plan sah vor, für knapp 950 000 Euro an die Kindertagesstätte Kallenberg in der Stammheimer Straße eine Krippe anzubauen. Geplant sind zwei Gruppen mit insgesamt 20 Plätzen für Kleinkinder. 20 Plätze für fast eine Million Euro, das erschien einigen Stadträten arg teuer.

Deshalb gab es im April und Mai intensive Gespräche aller Beteiligten mit dem Ziel, die Zustimmung zu dem Neubau zu vergrößern, wie der Sachgebietsleiter Kindertagesstätten Jörg Henschke erklärte. Am Ende schlug die Verwaltung dem Gemeinderat nun eine Bauvariante vor, deren Gesamtkosten bei etwa 800 000 Euro liegen. Nach Abzug des Bundeszuschusses muss die Stadt rund 560 000 Euro selbst zahlen. Zusätzlich zur Ersparnis von rund 150 000 Euro ist in diesen Kosten sogar ein Graben für den Hochwasserschutz auch des bestehenden Kindergartens enthalten. Der CDU-Fraktionschef Martin Hönes konstatierte: „Es hat sich für uns gelohnt, diese Beratungsunterlage noch einmal zurückzunehmen.“ Peter Ott von der FDP sekundierte: „Das Lob für die Einsparungen gebührt ausdrücklich den Freien Wählern.“

Die Korntal-Münchinger Verwaltung bewertete den neuen Bau in ihrer Vorlage: „Allerdings verliert der Baukörper als logische Folge sehr viel seiner bisherigen Großzügigkeit und Weite und wird auf seine reine Funktion beschränkt.“ Großzügigkeit und Weite könne man sich nicht mehr leisten, so Martin Hönes. Auch hierin war er sich mit Ott einig: „Das hehre Ziel des Ausbaus der Kleinkinderbetreuung rechtfertigt nicht jedes wünschenswerte Bauwerk“, sagte dieser.

Wolf widersprach: „Wir haben es schon kapiert, was es bedeutet zu sparen.“ Mit dem Satz habe die Verwaltung zum Ausdruck gebracht, „dass die Qualität leidet“. Das wollten die Freien Wähler nicht stehen lassen: Die Verkleinerung gehe fast nur zulasten der Flure, die Gruppenräume seien unverändert, sagte Marianne Neuffer.

Weil sie damals gegen eine Vertagung stimmten und somit auch die teurere Variante beschlossen hätten, sahen sich SPD und Grüne von der bürgerlichen Ratsseite in die Defensive gedrängt. „Wir haben den Antrag abgelehnt wegen der Begründung“, rechtfertigte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Egon Beck. „Den Einsparwillen haben weder Freie Wähler noch FDP exklusiv.“ Den Baubeschluss fasste der Gemeinderat trotz allen Disputs einmütig.


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